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Up The Hammers 2026

Athen, 10. - 17.03.2026

Irgendwann im Laufe des Jahres 2025 sprach ich mit dem für gewöhnlich sehr umtriebigen Lars (dem aus Essen) übers kommende Up The Hammers. Dort schickte man sich nämlich an, ein wirklich exquisites Billing an den Start zu bringen. Eigentlich reichten schon zwei Namen, um uns feuchte Träume zu bescheren: Solitude Aeturnus und While Heaven Wept, für letztere sollte es gar der letzte Gig ever sein. Lars schien schon ziemlich sicher hin zu wollen, ich ging nochmal in mich, war aber auch bald fest entschlossen und kaufte Tickets.

Ich buchte dann für ne gute Woche Athen, mein Kompagnon einige Tage mehr, er war somit schon anwesend, als ich aufschlug. Große Sightseeing-Pläne machte ich keine, da ich davon ausging, dass der Gute sicher schon ganz viel in petto haben würde. So kam es dann auch, Lars machte Vorschläge und navigierte, ich machte mir keinen Kopf und kam einfach mit. Das klappte hervorragend und war mich für mich ne sehr entspannte Sache. Danke, bro!

Dienstag

Das FullMetal-Wochenende war noch nicht ganz aus den morschen Gliedern geschüttelt, da musste ich schon wieder zeitig raus, um nach Frankfurt zu gondeln. Wie erwartet war ich dann natürlich viel zu früh dran, noch drei Stunden rumhängen war angesagt. Porridge und Tee beim Haferkater liefen gut rein, dann noch ein bisschen rumlatschen, bis es endlich in die Luft ging. Da kaum Wolken unterwegs waren, herrschte unterwegs meist gute Sicht auf den geschundenen Planeten. Athen empfing mich dann auch mit Sonnenschein, das 3-Wetter-Taft hätte ich mir glatt sparen können. Für den Weg vom Airport ins Zentrum sollte die Metro herhalten, das entsprechende Gleis war schnell ausgemacht, allerdings musste man erstmal wieder länger warten. Die große Rolle schien die Bahn dort jedenfalls nicht zu spielen angesichts der überschaubaren Menschenmenge. Dies änderte sich allerdings, sobald wir uns der Stadtmitte näherten, erst recht beim Umsteigen. Schließlich verließ ich den Schacht und sah mich am Ende der Treppe mitten im Gewusel.

Nach zwei kurzen Telefonaten mit Lars wurde klar, ich war eine Station zu früh ausgestiegen. Dann aber passte es, wir gingen auf schmalen, unebenen Gehwegen zu unserer Unterkunft, einem handelsüblichen Wohnhaus irgendwo mittendrin. Sah aber recht wohnlich aus im Innern, pro Nase ein Schlafzimmer und ein Jumbo-Boiler unter der Badezimmerdecke. Inzwischen war der Abend schon voll im Gange, wir machten uns endlich auf in Richtung der einladenderen Gegenden. Nach einigem Umherwandern verschlug es uns schließlich ins beertime, die Mucke dort recht rockig, die Bierkarte enorm umfangreich, und die Kurse wahrlich nicht von schlechtern Eltern. Wir gönnten uns jeweils zwei Red Ale, bevor wir nochmal ums Eck ins The Party gingen, wo wir gediegen die Getränke zur Nacht einnahmen. Draußen gönnten wir uns noch ein paar Säulen- und Akropolis-Impressionen, bevor wir den Heimweg antraten. Bin mir nicht mehr ganz sicher, glaube aber, es gab zum ersten und nicht letzten Mal als Betthupferl lecker Falafel-Wrap bei Al Zaim. Schlanke 2,50 und mit Pommes als Zutat!

Mittwoch

Nach einer für mich wie üblich eher unruhigen Nacht in fremden Betten (weiche Matratze, zu warm oder zu kalt, hellhörige Wände, you name it), tätigten wir zunächst einen kleinen Einkauf beim nahe gelegenen Lidl. Als erste größere Aktivität hatte Lars nen Ausflug zu einem ehemaligen Kloster etwas außerhalb der Stadt geplant. Zunächst brauchte ich aber ein gültiges Ticket für die Öffis, wofür wir noch eine Runde zu unserer Bahnstation drehten. Dann aber ging es los mit einem der meist gut frequentierten Busse. Tatsächlich spuckte dieser uns relativ am Rande der Zivilisation aus. Wir arbeiteten uns auf einem gemütlichen Wanderweg durch den Mt. Hymettus Aesthetic Forest bergauf, die Straße zu unserer Linken war zum Glück gerade gesperrt, diente jedoch dem einen oder anderen Mofarocker als Rallyestrecke. Bis auf eine größere Gruppe vermeintlich studentischer Baumvermesser trafen wir kaum weitere Menschen, also konnten wir den einen oder anderen schönen Fernblick auf Athen ungestört genießen. Schließlich erreichten wir das Kloster Kesariani, ein ziemlich gut erhaltener, antiker Bau. Der Torwächter hatte ein Einsehen und gewährte uns einen kurzen Gratis-Rundgang, auch wenn sich sein geplanter Feierabend gut 20 Minuten vor offizieller Schließzeit ein wenig verzögerte. Gern hätten wir den klostereigenen Katzen länger Gesellschaft geleistet, so blieb es bei einem zügigen Schnelldurchgang.

Der Fußweg hinunter ging uns locker aus dem Beinkleid und führte uns zu einer Haltestelle vor der Uni, etliches Jungvolk wartete bereits, um schließlich im rammelvollen Bus mit uns gen City zu gondeln. Unser nächstes Ziel sollte der Hügel Lykavittós sein, den wir mit Hilfe einer kleinen Bergbahn erklommen. Oben kam uns Carlo entgegen, ich stutzte erst ungläubig, bevor mir klar wurde, dass natürlich etliche bekannte Metal-Genossen sich derzeit in der Stadt rumtrieben. Nun hatte man einen schönen Ausblick in fast sämtliche Richtungen, eine kleine Kapelle steht dort, und zum Glück hat es auch Gastronomie, die uns lecker Alpha-Bier bescherte. Unseren Plan, dort den Sonnenuntergang zu genießen, hatten wenig überraschend auch etliche weitere Besucher, so dass doch ziemlicher Trubel herrschte. Den Hügelkatzen war's egal. Hinab gingen wir zu Fuß und weiter zum Old Boy, einer rockigen Bar, wo sich im Rahmen des Festival-Wochenendes wohl auch Alan Averill als DeeJay versuchen sollte. Nach zwei Getränken machte sich schon Müdigkeit breit, und prompt legte ich mich draußen dank Gehwegsloch auch erstmal auf's Maul, gößere Schäden waren zum Glück nicht zu vermelden. Der Weg ins Domizil führte uns noch durch einen heimeligen Park und am Falafelgrill vorbei, bevor auch bald Nachtruhe Einzug hielt.









Donnerstag

Bevor heute der Festival-Warmup stattfinden würde, nahmen wir uns den Hotspot der touristischen Anziehung vor, die Akropolis. Für Lars war's das erste Mal, ich hatte ja bereits 2018 meine Quanten auf den altehrwürdigen Hügel gesetzt. Schon vor 9 Uhr in der Früh standen wir bei sonnigstem Frühlingswetter an der Kasse, es herrschte aber bereits ein gewisser Betrieb. 30 Euro wechselten schnell den Besitzer, dann trabten wir gemächlich los gen Gipfel, vorbei am Odeon des Herodes Atticus, wo man ja auch gern mal ein episches Konzert erleben würde. Oben schlenderten wir umher, bewunderten die verschiedenen Bauwerke und natürlich auch die prächtige Aussicht auf die Stadt. Der Parthenon zeigte sich gerade sehr von Krangerät belagert, aber was willste machen, das ganze Zeug muss ja irgendwie in Schuss gehalten werden. Dachten wir uns auch beim Anblick des dort beschäftigen Arbeiterteams. Wahrscheinlich ist die berufliche Karriere in trockenen Tüchern, sobald man dort einmal angefangen hat, denn die Baustelle ist gewiss von ewiger Dauer. Als die Tourimassen konkret anschwollen, traten wir wieder den Weg nach unten an, nicht ohne dass ich mal auf dem glatten Marmor ausrutschte und mich unsanft auf den Arsch setzte. Würde ich jetzt wohl jeden Tag einmal zu Boden gehen? Auch ziemlich glatt war der Arios Pagous Hügel, den wir schon von oben gesehen hatten, um nun selbst darauf herum zu stolpern. Schöne Ausblicke auch von dort erneut. Entlang der üppigen Flanierwege unterhalb der Akropolis hielten wir nun Ausschau nach einem einladenden Etablissement und wählten einen geräumigen Laden mit Rooftop Bar und veganen Optionen. Dort hielten wir es eine ganze Weile bei Bierchen und Festnahrung aus, bis wir langsam die Vorbereitung für den Abend starteten. Um zum An Club zu gelangen, fuhren wir erstmal wieder ca. 2 km mit dem Bus, die Gegend kam mir vom letzten Athen-Trip halbwegs bekannt vor. Den Schuppen selbst betrat ich zum ersten Mal, er machte direkt nen sympathischen Eindruck. Nicht allzu groß, eher kleines "Infield", dafür aber amphitheatrisch gestuft mit ganz gut Platz um die Bühne herum. Publikum war schon reichlich vorhanden, ein erfahrener Besucher zeigte sich gar erstaunt, dass es beim Warm-up noch nie so voll gewesen sei. Zumindest in den Umbaupausen war aber genug Raum, um sich von A nach B zu bewegen, da die Raucher zum Glück größtenteils raus gingen. Den Anfang machten pünktlich um 18:30 h Leatherhead, deren Debüt ich als sehr Agent Steel - lastig auf dem Schirm hatte.

Da nun aber hauptsächlich neue Songs zum Vortrag kamen, klangen mir diese gesanglich doch weniger hysterisch im Ausdruck als erwartet. Beileibe nicht übel das Ganze und mit schön viel Energie dargebracht, gegen Ende kam auch noch der Federschmuck zum Einsatz. Die Italiener Battle Ram hatte ich wohl auch schon mal irgendwo gesehen, ohne dass sie allzu viel Eindruck hinterlassen hatten. Auch heute fand ich den gediegenen Metal eher unspektakulär, bis mich ein Yngwie-Cover aufhorchen ließ. Bekommt man ja kaum jemals serviert, aber "Liar" klang echt cool, gute Wahl! Nachdem ich mich zwischenzeitlich mal halblinks positioniert hatte, ging ich nun wieder seitlich rechts nach vorn, wo man von der Erhöhung beste Sicht hatte, der Sound passte sowieso meist. Dexter Ward trieben das Stimmungslevel nun merklich nach oben, Sänger Marco hatte das Publikum gut im Griff, während die Instrumentalfraktion um Impressario Manolis sichtlich Spaß in den Backen hatte. Da mir nur das erste Album von 2011 bekannt war, freute ich mich über gleich drei Songs von selbigem, vor allem natürlich den geilen Schlusspunkt "Metal Rites". Da nun Doom folgen sollte, quetschte ich mich vorn in den kleinen Innenraum, wo einige schon ganz heiß waren auf Procession. Ich hatte sie auch schon zu lang nicht mehr gesehen, Vorfreude war definitiv vorhanden. Undoomig einige Minuten zu früh ging es los mit "The Warning/When Doomsday Has Come", die Stimmung war prächtig. Es folgte jeweils ein Stück von prinzipiell jeder Veröffentlichung, alles geil und makellos, aber so richtig packend fand ich's in dem Moment irgendwie auch nicht. Vielleicht hatte ich mich zu sehr auf das grandiose "Doom Decimation" versteift, was ja nun nicht unbedingt den Schwerpunkt des Sets darstellte. Undoomig einige Minuten zu früh war's nach einer knappen Stunde auch schon wieder vorbei. Blieben noch ca. 70 Minuten für Eternal Champion, während denen es ziemlich gut abging. Sänger Jason zunächst mit nem etwas albernen Kettendingsbums überm ganzen Kopf, aber gesanglich und von der Bühnenpräsenz her war er sogleich voll da. Die Band weiß halt schon, wie man mitreißende Hymnen schreibt, da gibt's nichts dran zu zweifeln. Alles knackig auf den Punkt gebracht, eingängige Refrains, passt bestens als Headliner an einem solchen Abend. So waren dann sicher alle gut aufgewärmt, als es kurz nach Mitternacht wieder nach draußen ging. Für Lars und mich gab's noch Falafel und Dosen-Mythos als Stärkung, bevor die weichen Matratzen wieder warteten.








Freitag

Am späten Vormittag kamen wir erst wieder in Gang, und da ja erster konkreter Festivaltag war, sollte nur ein kurzes Vorprogramm möglich sein. Wir fuhren also mit der Metro zum Syntagma-Platz, um bei bestem Wetter durch den Nationalgarten wandelnd zum Panathinaiko-Stadion zu gelangen. Dieses wurde einst für die erste neuzeitliche Olympiade 1896 in Schuss gebracht, irgendwann auf antiken Vorgängerruinen errichtet und mit ganz viel Marmor zusammengezimmert. Sehr markant natürlich die ovale, an einer Seite offene Hufeisenform und die engen Kurven der Laufbahn. Inzwischen ist der Bau hauptsächlich Begaffungsobjekt für Touris, aber erstaunlicherweise tobten im Innenraum mutmaßliche Schulklassen umher, um sich bei sportlichen Wettbewerben zu messen. Es wehte quasi ein Hauch von Bundesjugendspielen durch die Arena. 1987 gab's wohl einen Gig von Black Sabbath an der Stelle, Iommi-Spirit war also auch mit uns. Entspannt schlenderten wir über die Tribünen, guckten uns im kleinen Museum um, und spazierten zum Schluss noch durch den Innenraum, nachdem die Sportkids mit ihren Aktivitäten fertig waren. Anschließend entspannten wir ne Weile, bevor es ans Eingemachte ging. Zum Gagarin 205 mussten wir von unserer Wohnung aus bloß gute 10 Minuten über die holprigen Gehwege stolpern und heil über eine stark frequentierte Straße gelangen. Vorm Club lungerte kurz vor Anpfiff natürlich bereits dunkel gewandetes Volk herum, auch wenn nicht gerade viel Platz blieb neben der steten Blechlawine, die sich vorbei schob. Im Innern fiel gleich wieder positiv auf, dass der Zuschauerraum mit gewissen Abstufungen versehen war. Außerdem gab's noch ein bisschen Platz auf einem rückwärtigen Balkon, coole Sache. Vultures Vengeance heizten ab 15:30 h mit leicht angekauztem Metal ein, der Sound passte. Nicht so toll fand ich die Vocals des Gitarre spielenden Fronthechts, der seine Laute doch sehr knödelig aus sich herauspresste. Ganz anders klang dies dann bei den Iren Old Season. Mit Keyboards am Start boten sie mit keltischer Epik verzierten Metal/Hardrock, der ziemlich geschmeidig in die Hörgänge tropfte. Auch gesanglich passte das vom sympathischen John Bonham Dargebotene bestens zur recht leichtfüßigen Mucke. In den Pausen fiel mal wieder auf, wie relativ wenig in den griechischen Clubs an Getränken über den Tresen geht. Was mit den üppigen Preisen von 5 Euronen für 0,4 Literchen Bier zusammen hängen könnte, bzw. auch mit den eher laxen Einlasskontrollen, die die Selbstversorgung nicht unnötig verkomplizierten. Zum Auftritt von Wrathblade ging ich zwecks Abwechslung über die schmalen Treppen nach hinten oben, wo entsprechend gute Sicht herrschte. Die Griechen wirkten etwas statisch in ihrer Herangehensweise, nur Vokalist Nick hob sich hervor durch stetes Umherwandern begleitet von einigermaßen theatralischer Gestik. Würde sich wohl auch passabel in einer klassischen Tragödie schlagen, der Gute. Musikalisch blieb eher wenig hängen von der Truppe. In Form von Ironsword war nun ein Trio an der Reihe, Neudi wirkte beim Drumsoundcheck etwas unzufrieden. Nachher klang sein Geklöppel aber gewohnt souverän und passte natürlich bestens zum sehr Manilla Road - mäßigen Material. Bandkopf Tann glänzte mit Spielfreude und gesanglicher Flexibilität, ein doch unterhaltsamer Auftritt.

Warum hatte ich eigentlich so schwere Knochen? Das längere Stehen fiel mir auch schon mal leichter, der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich. Also gingen wir mal auf den Balkon, vielleicht konnte man sich dort irgendwie anlehnen. Was während Riot City auch ratsam war, so energiegeladen und bewegungsfreudig, wie die Kanadier abrockten. Außer dem Drummer waren gefühlt alle permanent am Rumrennen auf der Bühne, was dem speedigen Metal zusätzlichen, äh, Speed verlieh. Zunächst sehr beeindruckend alles, nach ein paar Songs dann aber auch etwas zu viel des Gezappels. Da kam ein Drumsolo gerade recht... Naja, die anderen mussten sich wohl ein bisschen ausruhen. Anschließend ging das Getobe weiter, bis wir am Ende mit "See You In Hell" entlassen wurden. Eindrückliche Show auf jeden Fall. Ganz anders das Bild anschließend bei Liege Lord. Ich stand anfangs noch immer auf dem Balkon, hatte also die gleiche Perspektive wie vorher, und sah, dass sich nun nur noch wenig bewegte. Joe Comeau hatte im direkten Vergleich was von einem eher tapsigen Hobbymusiker, wie er so über die Bühne eierte. Gesanglich klang's allerdings ziemlich top, und die Songs können schon auch einiges, auch wenn es zum ganz großen Kult für mich nicht wirklich reicht. Außerdem musste jetzt eh alles an Bedeutung etwas schrumpfen angesichts des bevorstehenden Headliners. Solitude Aeturnus also, die unangefochtenen Meister des Epic Doom, eine von zwei Überbands, die mich die Reise nach Athen überhaupt hatten antreten lassen. Das letzte Album schlappe 20 Jahre her, seit der Reunion 2023 hatte ich allenfalls ein paar Live-Videoschnipsel zu sehen bekommen. Sie starteten mal gleich ganz klassisch mit dem ersten Titel des fulminösen Debüt-Albums, gefolgt von einem weiteren Song desselben. Rob Lowes Stimme in den Höhen nicht ganz sattelfest, vielleicht musste er erst richtig warm werden. Ansonsten war erfreulich zu sehen, dass im Grunde tatsächlich das klassische Line-Up auf der Bühne war, nur Drummer Wolf ließ sich gekonnt vertreten. Und die älteren Herrschaften wirkten gut erhalten und agil, Doom hält eben frisch. Entsprechend fett klang das Soundgefüge, alles top. Nur leider sollte sich Robs Gesang im weiteren Verlauf nicht recht stabilisieren. Regelmäßig in den oberen Registern, wenn einen die Melodien so richtig ins Epik-Nirwana beamen sollten, machten seine Stimmbänder den Ritt nicht mit, so dass man immer wieder mit leicht schmerzverzerrter Visage aus den schlurfigen Träumen gerissen wurde. Jammerschade. Zumal der Mann am Mikro ansonsten echt fit wirkte. Für seine Verhältnisse bewegte er sich ziemlich viel, war textsicher, und machte sogar, wohl ungeplant, ne längere Ansage. Umso bedauerlicher die vokalen Unzulänglichkeiten. Erinnerte mich doch fatal an die Leidensgenossen von Psychotic Waltz bei ihren letzten Konzerten. Nun denn, die Setlist war im Prinzip super, aber die große Ekstase musste heute leider ausbleiben. Anscheinend sah's die Band ganz ähnlich, denn einige Wochen später wurde nun die Demission des Rob Lowe bekannt gegeben. Irgendwie bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. Für uns gab's nach dem ersten Festivaltag fast schon routinemäßig Falafel-Dürüm zwecks besserer Verdaulichkeit des Erlebten.











Samstag

Nachdem wir die vormittägliche Trägheit aus den Gliedern geschüttelt hatten, bewegten wir uns zur Plaka am Fuße der Akropolis und landeten gegen Mittag an einem Bistrotisch auf einem ruhigen, beschaulichen Platz, um eine erste Erfrischung zu uns zu nehmen. Als Stärkung mussten knusprige Pommes herhalten, bevor der frische Wind dafür sorgte, dass wir sonnigere Gefilde aufsuchten. Ein kleiner Rundgang über steile Treppen und durch schmale Gassen verschaffte uns einen pittoresken Eindruck eines der ältesten Statdteile Athens. Dann war's auch schon wieder Zeit, sich für's Up The Hammers startklar zu machen. Da Lars es lieber langsamer angehen lassen wollte, machte ich schon mal die Vorhut, um den Opener Dark Nightmare zu begutachten. Auf der Bühne fiel sogleich eine Gestalt im schwarzen Umhang auf, wohl der Frontmann. Jener Mensch bewegte sich auch recht zappelig zur Mucke, hielt aber nur hin und wieder das Mikro unter die tief hängende Kapuze, um ein bisschen mitzuträllern. Hauptsächlich kamen die Vocals vom einen Gitarristen. Womöglich also nur ein zusätzlicher Blickfang für den großen Auftritt, etwas seltsam. Die Mucke der einheimischen Band klang ansonsten ganz okay, melodischer Stoff mit epischem Unterton, zum Warmwerden gut geeignet. Die flotten Umbaupausen waren meist ein Schauspiel für sich, vor allem wegen eines älteren Typen (jedoch etwas jünger als man selbst), der offensichtlich die Chefrolle inne hatte. Wirklich unterhaltsam zu beobachten, wie jener mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein seine Leute dirigierte. Oft war dann noch während des Gigs das eine oder andere Problemchen zu beseitigen, was mit vereinten Kräften auch immer funktionierte. Ein Hoch auf die Stage Crew! So erstrahlten auch Phantom Spell nun in geschmeidigem Soundgewand, das erste Highlight konnte also gesetzt werden. Zu geil wieder die melodisch-magischen Melodien der Truppe um Kyle McNeill. Alsbald wurde mir klar, ich war heute emotional leicht zu erreichen, während mancher eindringlicher Passage wurde mir das schwache Herz gar weich. Es würde wohl ein intensiver Tag werden... Toller Gig jedenfalls schon zu so früher Stunde. Stimmungswechsel durch Triumpher: Die vielgelobten Athener ließen es wesentlich heftiger angehen. Klang mir nach äußerst speedigen Manowar mit erhöhtem Härtegrad, gesanglich sehr kräftig. Auch beim zweiten Song ging es zur Sache, sicher würde es bald gemächlicher werden. Wurde es aber nicht, meine Erwartungen basierten auf wenig belastbaren Infos. Denn die Band lässt es eher durchgehend krachen, da ist wenig Platz für langsamere Hymnen. Okay, wenn man sich drauf eingestellt hat, kommt's ziemlich imposant, wie kurze Zeit später auch in der Goldgrube wieder erfahren. Im Gargarin 205 wurde es nun exotisch, Blaze aus Japan gaben sich die Ehre. Wobei es ja mindestens zwei Nippon-Bands dieses Namens gibt, da soll man durchblicken. Da ich aber eh völlig unbeleckt war, konnte ich ganz locker das Gebotene auf mich wirken lassen. Völlig anders nun die Atmosphäre, die Männer von der Insel wirkten viel zurückhaltender und entspannter als die harten Metaller vor ihnen. Jedoch merkte man bald, dass sie richtig Spaß in den Backen hatten, wobei besonders Frontmann Wataru mit ausladender Gestik zum Blickfang mutierte. Der Gute kam ordentlich in Fahrt, seine Kollegen teilweise auch, während die Songs aber nicht mehr als gefällig rüberkamen. Immerhin ein wirklich unterhaltsamer Auftritt für alle Beteiligten. Weiter im Takt ging's nun mit fetter Epik, Atlantean Kodex mal wieder. Geht natürlich immer, ich freu mich noch jedes Mal, wenn auch nach gefühlt 25 Shows die ganz große Euphorie etwas abgeebbt ist. Trotzdem schien klar, hier und heute stand ein weiterer Triumphzug an. Fast schon egal, welche Songs angestimmt wurden, das Publikum verdingte sich als Chor, so dass Becker öfter mal pausieren konnte. Fast schon zu oft für meinen Geschmack, denn ich höre ja lieber ihn als meine krächzenden Nebenleute, aber was soll's.

In der Mitte des Sets gab's nen neuen Song, der mir nach einmaligem Hören nicht sonderlich im Ohr geblieben ist. Danach ging es aber nochmal in die Vollen mit "Sol Invictus", "Heresiarch" und "Twelve Stars...", "The White Goddess" bleibt einfach das Nonplusultra-Album. Trotzdem darf gern noch was kommen, live ist die Band jedenfalls weiterhin sehr lebendig. Live plötzlich wieder lebendig, wenn auch nur für dieses Wochenende, sollten nun auch die viel zu früh von uns gegangenen While Heaven Wept sein. Nahezu allein schon ein Grund, diesen Trip angetreten zuhaben, und zum Glück sollten sie auch die längste Spielzeit von 80 Minuten des ganzen Festivals bekommen. Während an einer Küste hoch im Norden ein verzweifelter Seestern strandete, bekam ich nun passenderweise "Vast Oceans Lachrymose" in komplettem Umfang aufgeführt, das grandiose Hauptwerk von Mastermind Tom Phillips. Dessen Band im Lauf der Jahre offensichtlich zu einer sehr familiären Angelegenheit geworden ist, wenn man sieht, dass der Sohnemann von Michelle und Trevor hier an den Keyboards steht, während die Tochter auf der Bühne Fotos knipst, und der Onkel dann ja auch noch beteiligt ist. Entsprechend herzlich geriet die Ausstrahlung der Band, obwohl die Thematik ja doch sehr viel Schwermut transportiert. Passte so aber bestens, als es mit dem Epikhammer "The Furthest Shore" losging. "So long ago... desperate... desolate", Worte und Klänge verschmolzen zu einer sehnsuchtsvollen Melange, die einem sofort in Herz und Nieren fuhr, ein wahrer Koloss von einem Song. Beim leichtfüßigeren "To Wander The Void" präsentierte man anschließend Melissa Pinion (Stygian Crown) als Gesangsgast, eine nette Überraschung, wenn auch musikalisch nicht ganz so von Belang. Die schönen old-Fates-Warning-vibes wirkten jedenfalls irgendwie tröstlich, wenn auch thematisch die völlige Leere zur Sprache kam. Die harsche Abrechnung "Living Sepulchre" leitete schließlich über in den größten Schmacht-Hit der Geschichte, das nach wie vor unfassbar reinhauende "Vessel". Welch großartiger Song, welch toller Text, wie wunderschön vorgetragen. Der Gesang von Rain Irving und Michelle verband sich auf harmonischste Weise und drang vor in die Tiefen der aufnahmebereiten Pumporgane, wo sich nur halb verschüttete Sehnsüchte den Weg zurück an die Oberfläche in tränennasse Augen bahnten. "Believe in me...", auf dass man eines Tages vielleicht doch gemeinsam in See sticht. Akustisch jedenfalls rauschten die Wellen, die analoge Halluzinelle im Leorock wog sich im Klang, und die VOL-Reise endete am weit entfernten Strand... Doch WHW ließen nicht locker, das Jane-Cover "Voice In The Wind" sorgte nochmal so richtig für Klüsenpippi. Ein paar weitere Verzweiflungsoden von "Of Empires Forlorn" sorgten auch nicht gerade für heitere Ausgelassenheit, bis schließlich "In Aeternum" vom Erstwerk den Schlusspunkt eines überragenden Auftritts setzte. Tom bedankte sich herzlich, so redend, als wäre dies nun wirklich das Ende von While Heaven Wept, was es auch nicht gerade leichter machte. Anschließend lief ich Lars in die Arme, dem es offensichtlich genauso wie mir ergangen war, beide total angefasst. Wir begaben uns in Richtung Bar, um auf das Erlebte noch das eine oder andere herbe Getränk zu nehmen, während wir den Tribut an Manilla Road verfolgten. Auch nicht gerade der völlige Easy-Stoff, wenn zuerst die verstorbenen Metalbrüder bildlich geehrt werden. Auf der Bühne wechselten sich einige der anwesenden Protagonisten ab, ziemlich cool gemacht alles. Abschließend traf ich noch Valeska und Daniel, die ich tatsächlich zum ersten Mal wieder sah, seitdem wir vor zig Jahren in der Lüneburger Heide übers Up The Hammers geredet hatten. Die Nacht endete schließlich damit, dass wir in unserer Bude das Erlebte und die entsprechenden Gedanken und Emotionen versuchten zu verarbeiten. Ein denkwürdiger Festivaltag.







 







Sonntag

Da wir erst ziemlich spät den Weg in die Betten gefunden hatten, war es schon früher Nachmittag, bis wir wieder in die Gänge kamen. Für die Afterburner-Veranstaltung hatten wir wohlweislich noch keine Tickets gekauft, und nach dem grandiosen Festivalfinale war uns nicht nach weiteren Shows, also beließen wir es auch dabei. Stattdessen starteten wir einen Abstecher zum Hafen nach Piräus, wozu wir ne ganze Weile mit der Metro zu gondeln hatten. Vor Ort sah es wie im Reiseführer beschrieben wenig spektakulär aus, viel Betonwüste mit einigen Schiffen im Blick, es wirkte alles nicht sehr belebt. Lars lotste uns dann gewohnt zielsicher in interessantere Gefilde, wo wir ne ganze Weile an der Waterfront umherwanderten, felsige Strandatmosphäre inklusive. So hatten wir auch wieder die WHW-Wellen im Ohr.

Einen Imbiss nahmen wir in einer eher gediegenen Pinte ein, wo zumindest die Familie am Nachbartisch Leben in die Bude brachte, außerdem gefielen die stylishen Flaschen für's muffige Leitungswasser. Anschließend warteten wir ne ganze Weile im windigen Schatten auf einen Bus, der uns in Richtung Akropolis brachte. Dort spazierten wir länger auf diversen Erhebungen herum und genossen die dämmerig-malerischen Ausblicke. Eher untouristisch wirkte die Kaschemme, welche wir für einen Snack auserkoren hatten. An schlichten Tischen mit einfachen Holzstühlen verknusperten wir diverse Kleinigkeiten, zum Flaschenbier gab's stilecht ein kleines Zahnputzglas, mal was anderes. Schließlich folgte noch der Absacker im Erdgeschoss der bekannten Rooftopbar, wo wir aber nicht allzu alt wurden. Würde mich nicht wundern, wenn wir am Ende noch Falafel von Al Zaim gehabt hätten.





Montag

Das heutige Sightseeing-Ziel sollte die Agora sein, ein in der Antike wichtiger Versammlungsplatz, heute ne Ausgrabungsstätte, für welche 20 Euronen Zutrittsgeld berappt werden müssen. Von außen betrachtet wirkt der Ort nicht sonderlich spektakulär, und im Innern wird's dann auch nicht viel aufregender. Hauptsächlich stehen dort zwei größere Bauwerke, die Stoa des Attalos und der Tempel des Hephaistos. Erstere ist ne riesige Säulenhalle, die im 20. Jahrhundert komplett rekonstruiert wurde. Lässt sich nun also gemächlich durchschreiten, ein kleines Museum ist dort auch eingerichtet. Vasen, Scherben und Gedöns sind hauptsächlich aufgebahrt. Das Hephaisteion hingegen ist ein aus antiken Zeiten weitgehend erhalten gebliebener Marmortempel. Schon ein schickes Teil, easy to watch. Ansonsten kann man übers Gelände schlendern, hier und da mal eine der spärlichen Erklärtafeln lesen oder auch den Katzen beim Sonnenbad zuschauen. Am Ende war für mich ne freilaufende Schildkröte aber so ziemlich das Highlight. Nach so viel antiker Kultur stand uns der Sinn nach zeitgenössischer Erfrischung, also heizten wir wie so oft im Linienbus durch Athen, bis wir in einer der tausend Straßen ausgespuckt wurden. Lars hatte uns was rausgesucht, die feine Metalbar Esqueleto, die mit sehr liebevoller Deko zu beeindrucken wusste.
Überall hingen, standen oder klebten Totenköpfe, Skelette und ähnlich cooles Zeug, wir fühlten uns gleich sehr wohl. Da auch der Sound passte, schmeckte das kühle Blonde am frühen Nachmittag umso besser. Allerdings versackten wir dort natürlich nicht, sondern zogen weiter zum ersten Athener Friedhof, um das Thema mit den Skeletten noch etwas zu vertiefen. Leider standen wir jedoch um kurz nach 18 Uhr bereits vor verschlossener Pforte, uns blieb nur ein jammervoller Blick durchs Gatter. Immerhin war noch ganz interessant zu beobachten, wie die selbsternannte Katzenbeauftragte zur großen Fütterung bließ, aus allen Ecken kamen die hungrigen Vierbeiner ans große Büfett. Der Anblick brachte auch unsere Mägen zum Knurren, weswegen wir die kurze Distanz zu Veganaki schnell zurückgelegt hatten. Dort labten wir uns an griechischem Salat und Soja- bzw. Tempeh-Souvlaki, ein wahres Festmahl und beste Speisung der ganzen Woche. Zu guter Letzt schlenderten wir noch einmal durch die nächtliche Stadt, vorbei am Panathinaiko-Stadion, durch den Nationalgarten, und landeten schließlich im James Joyce, einem Irish Pub, wo auch am Montag einige Gäste zugegen waren. Der ganz große Durst überfiel uns zum Glück nicht mehr, so dass wir uns nicht allzu spät in unsere Gemächer zurückzogen.








Dienstag

Abreisetag. Zwischen 9 und 10 Uhr verabschiedeten wir uns, Lars blieb ja noch ein paar Tage länger. Also ging es für mich in der wie die meiste Zeit proppevollen Metro zum Flughafen, wo ich noch eine Weile herumlungern musste. Eine recht üppige Pasta Bolo verkürzte mir die Warterei, bis ich in den mit Kapitänin bestückten Flieger stieg. Beim Rangieren Richtung Startbahn gab's noch kurz technische Probleme, bevor der Flug dann aber planmäßig über die Bühne ging.
Nachdem auch die letzte Etappe mit dem ÖPNV geschafft war, genoss ich erstmal die ruhige Kleinstadtatmosphäre mit dem vergleichsweise äußerst entspannt laufenden Straßenverkehr. Up the Hammers? Kann man mal machen.


Tofukeule, Juni 2026

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